Foto: MGShelton

Gestern ging mir so ein Gedanke durch den Kopf. Wenn wir ein Kleidungsstück auswählen und anziehen, dann treffen wir damit eine Aussage und setzen uns in eine bestimmte Schublade. Immer. Mir ist jedenfalls kein Beispiel dafür eingefallen, wann es nicht so ist. Selbst wenn wir einfach nur das erstbeste greifen, was uns im Schrank entgegenfällt – es ist immer eine Aussage über uns. Es sagt aus, ob wir modischen Trends folgen oder nicht. Vielleicht kann man daran ablesen, was wir gerade vorhaben. Es könnte eine Aussage darüber machen, ob wir in die Öko- und Müsli-Schublade gehören. Und so weiter.

Das sind natürlich immer Momentaufnahmen der jeweiligen Situation. Jeder sitzt je nach Situation und Tagesform in ganz unterschiedlichen Schubladen. Aber außerhalb? Ohne Schublade? Geht das?

Ich glaube nicht, mir fällt da jedenfalls nichts ein.

Was mich zu dem weiteren Gedanken bringt: wo existieren diese Schubladen? Im Ich oder im Du, oder sogar draußen in der Welt? Ich denke, die Schubladen entstehen im Betrachter. Ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, Vorurteile und Einordnungen zu bilden und äußere Kennzeichen für Gruppenzugehörigkeiten zu erkennen. Eben Schubladen zu bilden. Das hilft mir, im Alltag zurechtzukommen – Einordnungen passieren in Sekundenbruchteilen, mein Unterbewusstes entscheidet in kürzester Zeit, ob ich mich in der gegebenen Situation wohlfühle oder nicht, ob mir Gefahr droht oder nicht.

Ist es dem Menschen überhaupt möglich, sich davon zu lösen? Wäre das überhaupt wünschenswert? Oder reicht es aus, wenn ich mir dessen bewusst bin, was da passiert, und gelegentlich hinterfrage, ob meine Schubladen denn auch richtig beschriftet sind?

Ich bin da noch nicht ganz am Ende meiner Überlegungen angelangt, freue mich aber über Ihre Meinungen dazu!

Ein Kommentar to “Über Schubladen und Vorurteile”

  1. Birte Says:

    Hallo, per Zufall bin ich heute auf deinen Blog gestossen, und ich muss sagen, in vielen Dingen sprichst Du mir aus dem Herzen.
    Zu den Schubladen möchte ich folgendes sagen: Ich meine, dass wir durch unsere Herkunft, Erziehung und dem sozialem Umfeld “vorgegebene” Schubladen in die Wiege gelegt bekommen. Diese Schubladen bzw. deren Beschriftung ändern sich im Laufe des Lebens, genau so wie wir uns auch persönlich (weiter)entwickeln. Eine Umbeschriftung erfolgt glaube ich automatisch. Was man vor einigen Jahren vielleicht toll fand, findet man später vielleicht ätzend. Also wird umsortiert von der Schublade “Toll” in die Schublade “ätzend”. Viele Schubladen sind durch unsere Lebenserfahrungen entstanden, und bedingt durch Einflüsse, (vor)urteile und Beeinflussung sind in den diversen Schubladen “Unterschubladen” entstanden. Alle diese Schbladen werden uns durchs Leben begleiten, und nein der Mensch, so meine ich, wird sich nicht davon lösen können. Warum eigentlich auch? Sind es doch unsere Lebenserfahrungen und unser Ich die wir hier aufbewahren.
    Freue mich auf weitere Gedankengänge.
    Herzliche Grüsse
    Birte/DK

Trackbacks/Pingbacks

Möchten Sie dazu etwas sagen?

Spam protection by WP Captcha-Free