messbesteck

Seit Ende Oktober bin ich auf Droge Rattengift Marcumar. Wenn du mich aus meinen anderen Blogs kennst, dann weißt du das ja schon, wenn nicht, dann noch mal in Kurzform: Tiefe Beinvenenthrombose links, fulminante Lungenembolie beidseits, nicht die erste in meinem Leben, Lysetherapie, nach ein paar Tagen wieder aus dem Krankenhaus raus, seitdem Kompressionsstrümpfe und Antikoagulation. Lebenslänglich.

Die meiste Zeit merke ich nichts davon, so im Alltag. Ich muss nicht mehr heulen, wenn ich an die Embolie zurückdenke, kann relativ locker davon erzählen, die Strümpfe kriege ich inzwischen in Nullkommanix angezogen, abends eine kleine Pille, die nach nichts schmeckt, einmal die Woche in den Finger pieksen und Blutgerinnung messen. Alles nicht dramatisch, es hindert mich nichts daran, mein Leben genauso zu leben wie vorher. Und meistens ist es auch genau wie vorher. Nur nicht, wenn die Angst plötzlich zuschlägt.

Heute zum Beispiel hat sie das getan, darum fühle ich mich auch gerade bemüßigt, diesen Eintrag zu schreiben. Ein Zwicken im Bein, ein Zwacken im Bauch, leichter Anflug von Kopfschmerzen, der Kreislauf nicht ganz fit, ein Druck auf dem Ohr … es sind winzige Kleinigkeiten, die manchmal so eine Attacke der Angst auslösen. Wahrscheinlich war das Zwacken im Bauch nichts weiter als ein Pups, der irgendwo quersitzt, aber trotzdem – ich werde auf einen Schlag hellhörig. Oder vielleicht besser “hellfühlig”. War da nicht gerade noch ein Zwacken? Wird mir nicht gerade ein bisschen schwummerig vor Augen? In dieser Situation deute ich dann alles, was ich spüre, als mögliche Anzeichen irgendeiner Thrombose oder Embolie.

Die Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich etwas da ist, ist verschwindend gering. Ich trage brav die Thrombosestrümpfe, schlucke meine Pillen, mein Wert ist stabil im therapeutischen Bereich. Es sollte nichts passieren. Aber 100ige Sicherheit gibt es eben nicht, und so bleibt ein Rest Zweifel, der immer mal wieder zuschlägt. So wie heute.

Innerhalb von Sekunden rasen mir Horrorszenarien durch den Kopf. Was tu ich denn, wenn ich gleich bewusstlos zusammensacke? Kriegt mein Mann es schnell genug mit? Kann ich vielleicht noch ein Glas an die Wand schmeißen, damit er den Lärm hört? Wer schreibt dann die Aufträge fertig, die habe ich doch bis morgen zugesichert?

Ich wünschte, ich könnte meinen Körper besser verstehen. Dass er mir etwas sagen will, ist klar. Aber ob er sagt “Achtung, Thrombose im Anmarsch, du fällst gleich tot um” oder ob er nur sagt “hey, du bist total verkrampft, geh mal ne Runde an der frischen Luft spazieren”, das kann ich nicht voneinander unterscheiden.

Ja, die Sache ist jetzt schon ein paar Tage her, und im Großen und Ganzen geht es mir wieder tiptop. Aber heute ist mir zum Heulen.

(Kleiner Nachtrag, rund drei Stunden später: Mir geht’s inzwischen wieder gut, mach dir keine Sorgen. Ich bin mit meinem Mann eine große Runde spazieren gegangen. Tat gut.)

2 Kommentare to “Über die plötzliche Angst”

  1. illy Says:

    Hi Angela,
    Du machst ja was mit. Achte gut auf Dich.

    Mal liebe Grüsse da lass
    illy

  2. Katarina Says:

    Liebe Angela,
    es ist nicht immer einfach zu verstehen, was unser Körper uns sagen will. Wie du weisst, beschäftigt mich diese Frage seit letztem Mai auch, und auch ich habe die eindeutige Antwort noch nicht gefunden.
    Höre auf deinen Körper, lerne jeden Tag neu, ihn zu verstehen – aber vor allem, ihn zu lieben mit all seinen Vorzügen und Mängeln! Das ist ganz sicher ein Teil der Antwort…
    Herzliche Grüsse,
    Katarina

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