Es wäre vielleicht ganz praktisch gewesen, wenn sich das Buch, das ich heute vorstellen möchte, mit dem Thema Zeitmanagement beschäftigt hätte. Dann wäre die Rezension möglicherweise früher entstanden. Vielleicht wäre auch das Thema “innerer Schweinehund” besser gewesen, denn wenn ich so einen hätte, dann wäre er es gewesen, der mich so lange davon abgehalten hat. Ja, richtig gelesen, ich habe beschlossen, keinen inneren Schweinehund zu haben, denn ich finde das Konzept, das hinter diesem Bild steht, ganz grässlich. Das Würmli ist mir viel sympathischer. Aber dazu ein andermal mehr.
Der Untertitel des Buches, “Psychofallen im Beruf erkennen”, deutet irgendwie auch nicht so richtig auf den Inhalt hin, finde ich, denn Psychofallen ist so ein plakatives Wort, das für alles und nichts stehen kann. Aber jetzt gucken wir uns doch einmal an, worum es eigentlich geht in “Ich kann auch anders” von Roland Kopp-Wichmann.
Es gibt eine ganze Reihe “klassischer” Probleme, die Menschen im Berufsleben haben können. Dazu gehören solche Sachen wie schlecht Nein sagen können, zu viel Stress, mangelnde Motivation oder ständiger Ärger mit dem Chef oder den Kollegen. Zehn dieser Klassiker hat sich der Autor herausgepickt, nennt sie Psychofallen und erklärt im Verlauf des Buches, was es mit diesen Fallen auf sich hat, woher sie stammen und wie man sie erkennt und umgeht. Und das auf eine Art und Weise, die ich einfach nur klasse finde.
In ausgesprochen verständlich, leicht und flüssig lesbarer Sprache lernt man als Leser, warum wir uns manchmal “doof” verhalten, warum wir immer wieder in die gleichen Fallen tappen und warum es so schwer ist, das eigentliche Problem zu erkennen. Kleiner Tipp: Das eigentliche Problem ist natürlich nicht der blöde Chef. Der löst es nur aus.
Wir lernen auch: Unser Verhalten hat immer einen guten Grund. Immer. Auch wenn es blödes Verhalten ist – irgendwann in unserem Leben, im Zweifelsfall recht früh, hat uns genau dieses Verhalten genutzt. Und das haben wir so verinnerlicht, dass wir uns heute noch ganz genauso verhalten – auch wenn es uns heute schadet.
Mit zahllosen Beispielen, die so oder ähnlich jeden Tag in Büros auf der ganzen Welt passieren, macht der Autor diese grundsätzlichen Erkenntnisse ganz plastisch greifbar und auch für Ungeübte erkennbar. Ich habe mich mehrfach beim Lesen dabei ertappt, dass ich mich selbst oder andere in den Beispielen wiedererkannt habe.
Beim schnellen Lesen habe ich dabei allerdings eher andere erkannt. Mich selbst weniger. Klar: mein eigenes Verhalten ist so tief in mir verwurzelt, dass ich erst einmal lernen muss, es überhaupt zu sehen. Das muss ich aber, wenn ich das problematische vom hilfreichen Verhalten unterscheiden und es letztlich ändern möchte. Aber auch dazu gibt es viele Übungen im Buch (und dazu passende Downloads auf der Webseite zum Buch). Wer sich also darauf einlässt, wird nicht alleine gelassen.
Nach der Erkenntnis kommt das Handeln. Natürlich kann man sich aus den Fallen befreien, wenn man das will. Und wie das geht, wird ebenfalls im Buch beschrieben. Überhaupt ist es nicht einfach nur ein Lesen- und Verstehen-Buch, sondern ein echtes Arbeitsbuch. Immer wieder hält der Autor einen dazu an, Dinge sofort zu tun, sofort auszuprobieren, und gibt ganz konkrete Vorschläge, wie man bestimmte neue Verhaltensweisen einüben kann.
Was mir besonders gut gefällt: Das Buch ist auch und gerade für “Einsteiger” sehr lesbar, nachvollziehbar und lädt dazu ein, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Mit Einsteigern meine ich Menschen, die noch nicht so geübt darin sind, das eigene Verhalten quasi von außen zu betrachten, sich selbst zu hinterfragen, den eigenen Anteil am Geschehen zu erkennen. Ich glaube, dass jemand, der damit erst anfängt, sehr gut mit dem Buch arbeiten kann.
Wer schon länger an der eigenen Persönlichkeitsentwicklung arbeitet, erkennt sicherlich manches wieder, für denjenigen ist nicht alles neu. Aber auch “Fortgeschrittene” bekommen bestimmt den einen oder anderen Anstoß.
Insgesamt wirklich rundum empfehlenswert!

März 20th, 2010 um 08:47
Liebe Frau Gaida,
ganz herzlichen Dank für Ihre tolle Rezension hier auf dem Blog und bei Amazon.
Sie haben die wesentlichen Punkte, worauf es mir beim Schreiben ankam, gut erkannt und wunderbar beschrieben.
Jetzt bin ich auf einen Artikel zu Ihrem “Würmli” gespannt.
März 25th, 2010 um 16:47
Oh, gern geschehen – ich habe Sie ja auch lang genug darauf warten lassen. Momentan holt mich mein Dasein als Ein-Frau-Konzern etwas ein, weil alle zugleich etwas wollen… aber besser das als Langeweile.
Das Würmli ist übrigens nicht meins, sondern von Maja Storch. Und dazu schreibe ich ganz gewiss noch mal was hier im Blog. Spätestens, wenn ich wieder Luft bekomme vor lauter Arbeit