Machen Sie doch, was Sie wollen! von Maja Storch
Der Schweinehund tut mir echt leid. Für alles muss er herhalten. Er hindert uns am Sport, lässt uns verfetten, fesselt uns untätig ans Sofa und ist auch sonst für alles verantwortlich, für das wir nicht den Hintern hochbekommen. Dem gegenüber steht der vernünftige Geist, der genau weiß, was richtig und falsch ist, der in einem “guten” Leben die Herrschaft hat und der dafür sorgt, dass der Mensch edel, hilfreich und gut ist.
Ach, was für ein großer Bullshit. Echt mal. Ich weigere mich, die Verantwortung für all das, was ich nicht tue, obwohl ich es vielleicht sollte (sollte ich?), einem armen Sündenbock wie dem Schweinehund zuzuschieben.
Das Konzept des Schweinehunds war mir immer schon so ein bisschen suspekt, aber seit kurzem habe ich den ultimativen Gegenentwurf. Naja. Ultimativ ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber ich habe weitaus lieber einen Wurm als einen Schweinehund. Nämlich den Strudelwurm von Autorin und Psychologin Maja Storch. Da er aus der Schweiz stammt, heißt er auch liebevoll Würmli, und er repräsentiert den Teil in uns, der gemeinhin als Schweinehund missverstanden wird.
Dabei tut das Würmli einfach nur seine Hälfte der Arbeit, während der Verstand die andere tut. Beide haben eine wichtige Funktion: Der Verstand denkt langsam, dafür gründlich. Das Würmli beurteilt in Sekundenbruchteilen, dafür aber oberflächlich. Das liegt daran, dass der Wurm entwicklungsgeschichtlich viel älter als der Verstand ist. Lange bevor der Mensch großartig herumdachte, musste er Gefahrensituationen schnell erkennen, rasch entscheiden, ob ein Tier Futter oder Angreifer ist, und ganz generell ums Überleben kämpfen. Aus dieser Zeit stammt das Würmli. Der Verstand entscheidet zwischen richtig und falsch. Das Würmli hat die Kategorien “mag ich” oder “mag ich nicht”.
Gesunde Entscheidungen treffen die Menschen, die beide Bewertungssysteme nutzen. Aber das müssen sich viele erst einmal erarbeiten. In unserer Gesellschaft wird man tendenziell eher dazu erzogen, auf den Verstand zu hören, weniger auf ein undefinierbares Bauchgrummeln. Genau das ist nämlich das Problem des Würmlis: Es kann sich nicht anders artikulieren als in eher schwammigen Gefühlen und Empfindungen. Der Verstand hingegen ist eloquent, er kann Argument vorbringen und quatscht den Wurm gerne mal tot.
Das dauerhaft zu tun, also nur mit dem Verstand zu arbeiten und den Wurm zu erwürgen, das kann auf Dauer nicht gesund sein. Darum bin ich so dankbar für dieses Buch. Denn es erklärt, wie der Wurm “tickt”, wie man lernen kann, auf ihn zu hören und ihn in gesundem Maß zu berücksichtigen. Das alles in einer wirklich locker-flockigen Sprache, die einfach Spaß beim Lesen macht. Und auch durchaus mit handfesten Werkzeugen, die man für die Wurm-Arbeit verwenden kann.
In den Kommentaren bei Amazon sind die Meinungen recht krass geteilt. Entweder man mag die Wurm-Metapher, oder man findet sie abgrundtief dämlich, das scheint mir das Fazit zu sein. Ich studiere keine modernen Neuro-Wissenschaften, insofern kann ich nicht beurteilen, ob das Buch schändlicherweise hochkomplizierte Fakten viel zu platt vereinfacht. Vielleicht tut es das. Aber selbst wenn, ist mir das ziemlich wurscht: Mein Würmli mag das Würmli-Buch!
Aufschieberitis in Wort und Bild.
30.04.2010
Prokrastination ist die hohe Kunst des Aufschiebens. Wenn Dir gerade danach ist, etwas aufzuschieben, wie wäre es dann mit diesem Video? Hilft garantiert!
Procrastination from Johnny Kelly on Vimeo.
Es ist geschafft!
24.04.2010
Eigentlich war es doch erst gestern, dass ich mit der Coaching-Ausbildung angefangen habe, oder? Zumindest fühlt es sich so an. Im Januar 2009 ging es los, und ich weiß noch wie heute, dass mich die anderen Teilnehmer erst mal ordentlich eingeschüchtert haben. Alle mitten im Berufsleben, mit Leitungsfunktionen, Abteilungsleiterinnen, Pflegedirektoren und Geschäftsführerinnen … und mittendrin meineeine: seit wenigen Wochen offiziell selbstständig, die klassische Karriereleiter verlassen habend, die jüngste in der Gruppe und mit der etwas esoterisch erlangten Gewissheit, dass diese Art der Begleitung und des “Anschubsens” von Menschen genau das ist, wofür ich auf die Welt gekommen bin.
Heieiei.
Kaum etwas hat sich mir so eingeprägt wie dieser erste Block von 5 Tagen im Januar 09. Die ersten Übungen vor der Videokamera, total versemmelt. Übungen in Kleingruppen, bei denen ich komplette Blackouts hatte. Sachen zum ersten Mal ausprobieren, falsch machen, und die Ausbilder gucken zu.
Alles Dinge, die mir früher enormen Stress machten. Aber aus der schamanischen Gruppe kurz zuvor hatte ich ja etwas mitgenommen: die Gewissheit, dass ich Kraft schöpfen könne aus Niederlagen, die keine sind. Und so war es auch. All diese stressigen Situationen waren zwar nach wie vor nicht angenehm. Aber trotzdem empfand ich sie nicht als so vernichtend, wie ich das zuvor erwartet hätte. Statt dessen konnte ich sie nutzen, um daraus zu lernen.
Den größten Sprung in meiner Entwicklung habe ich, rückblickend betrachtet, im Herbst 2009 gemacht. Ich weiß noch genau, mit welcher Sicherheit und Gelassenheit ich den September-Block angetreten habe – und das sogar, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt schon mit der Lungenembolie herumgelaufen bin. Ruhe und Sicherheit auf der einen Seite, echte Angst auf der anderen, irgendwie schon ziemlich verrückt. Aber in der Rückschau ist die Angst im September-Block nicht dominierend gewesen, sondern eher die Sicherheit. Die hatte ich aus zwei Quellen gewonnen. Zum Einen aus dem halben Dutzend echter Coachings, die ich zum Üben vorher durchgeführt hatte. Die haben mir echtes Vertrauen in meine Fähigkeiten gegeben, mich aber auch sehr bewusst erkennen lassen, wie viel Übung ich noch brauche. Zum Anderen aus dem Wochenende im August: Das Feuer bekam meinen alten Zopf, und meine Stimme tauschte ich gegen eine neue ein.
Was von beidem mehr Einfluss hatte, vermag ich nicht zu sagen.
Tja, und jetzt ist die Ausbildung rum, das Zertifikat mit dem Siegel hängt an der Wand, wo ich es immer anschauen und mir sagen kann: Ja, du darfst jetzt losziehen und dir echte, zahlende Klienten suchen.
Ok, das hätte ich schon vorher gedurft, der Beruf als Coach ist ja in keiner Weise irgendwie geregelt. Aber das hätte ich nicht richtig gefunden.
Nun denn.
Ein bisschen komisch fühlt es sich noch an, mit diesem neuen Angebot an die Öffentlichkeit zu gehen. Aber das vergeht sicher ganz schnell. Falls Du mehr darüber wissen willst, kannst du ja mal auf die Baustelle gehen: Coaching in Siegen. Aber Vorsicht, da wird noch gehämmert und geschraubt!
Es wäre vielleicht ganz praktisch gewesen, wenn sich das Buch, das ich heute vorstellen möchte, mit dem Thema Zeitmanagement beschäftigt hätte. Dann wäre die Rezension möglicherweise früher entstanden. Vielleicht wäre auch das Thema “innerer Schweinehund” besser gewesen, denn wenn ich so einen hätte, dann wäre er es gewesen, der mich so lange davon abgehalten hat. Ja, richtig gelesen, ich habe beschlossen, keinen inneren Schweinehund zu haben, denn ich finde das Konzept, das hinter diesem Bild steht, ganz grässlich. Das Würmli ist mir viel sympathischer. Aber dazu ein andermal mehr.
Der Untertitel des Buches, “Psychofallen im Beruf erkennen”, deutet irgendwie auch nicht so richtig auf den Inhalt hin, finde ich, denn Psychofallen ist so ein plakatives Wort, das für alles und nichts stehen kann. Aber jetzt gucken wir uns doch einmal an, worum es eigentlich geht in “Ich kann auch anders” von Roland Kopp-Wichmann.
Es gibt eine ganze Reihe “klassischer” Probleme, die Menschen im Berufsleben haben können. Dazu gehören solche Sachen wie schlecht Nein sagen können, zu viel Stress, mangelnde Motivation oder ständiger Ärger mit dem Chef oder den Kollegen. Zehn dieser Klassiker hat sich der Autor herausgepickt, nennt sie Psychofallen und erklärt im Verlauf des Buches, was es mit diesen Fallen auf sich hat, woher sie stammen und wie man sie erkennt und umgeht. Und das auf eine Art und Weise, die ich einfach nur klasse finde.
In ausgesprochen verständlich, leicht und flüssig lesbarer Sprache lernt man als Leser, warum wir uns manchmal “doof” verhalten, warum wir immer wieder in die gleichen Fallen tappen und warum es so schwer ist, das eigentliche Problem zu erkennen. Kleiner Tipp: Das eigentliche Problem ist natürlich nicht der blöde Chef. Der löst es nur aus.
Wir lernen auch: Unser Verhalten hat immer einen guten Grund. Immer. Auch wenn es blödes Verhalten ist – irgendwann in unserem Leben, im Zweifelsfall recht früh, hat uns genau dieses Verhalten genutzt. Und das haben wir so verinnerlicht, dass wir uns heute noch ganz genauso verhalten – auch wenn es uns heute schadet.
Mit zahllosen Beispielen, die so oder ähnlich jeden Tag in Büros auf der ganzen Welt passieren, macht der Autor diese grundsätzlichen Erkenntnisse ganz plastisch greifbar und auch für Ungeübte erkennbar. Ich habe mich mehrfach beim Lesen dabei ertappt, dass ich mich selbst oder andere in den Beispielen wiedererkannt habe.
Beim schnellen Lesen habe ich dabei allerdings eher andere erkannt. Mich selbst weniger. Klar: mein eigenes Verhalten ist so tief in mir verwurzelt, dass ich erst einmal lernen muss, es überhaupt zu sehen. Das muss ich aber, wenn ich das problematische vom hilfreichen Verhalten unterscheiden und es letztlich ändern möchte. Aber auch dazu gibt es viele Übungen im Buch (und dazu passende Downloads auf der Webseite zum Buch). Wer sich also darauf einlässt, wird nicht alleine gelassen.
Nach der Erkenntnis kommt das Handeln. Natürlich kann man sich aus den Fallen befreien, wenn man das will. Und wie das geht, wird ebenfalls im Buch beschrieben. Überhaupt ist es nicht einfach nur ein Lesen- und Verstehen-Buch, sondern ein echtes Arbeitsbuch. Immer wieder hält der Autor einen dazu an, Dinge sofort zu tun, sofort auszuprobieren, und gibt ganz konkrete Vorschläge, wie man bestimmte neue Verhaltensweisen einüben kann.
Was mir besonders gut gefällt: Das Buch ist auch und gerade für “Einsteiger” sehr lesbar, nachvollziehbar und lädt dazu ein, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Mit Einsteigern meine ich Menschen, die noch nicht so geübt darin sind, das eigene Verhalten quasi von außen zu betrachten, sich selbst zu hinterfragen, den eigenen Anteil am Geschehen zu erkennen. Ich glaube, dass jemand, der damit erst anfängt, sehr gut mit dem Buch arbeiten kann.
Wer schon länger an der eigenen Persönlichkeitsentwicklung arbeitet, erkennt sicherlich manches wieder, für denjenigen ist nicht alles neu. Aber auch “Fortgeschrittene” bekommen bestimmt den einen oder anderen Anstoß.
Insgesamt wirklich rundum empfehlenswert!
Drei am Donnerstag – heute mal wieder dabei
18.02.2010
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Ich hab überhaupt keine Zeit dafür, aber ich nehme sie mir jetzt, zumindest ein kleines bisschen.
1 . Wieso ist deine Lieblingsfarbe deine Lieblingsfarbe?
Warum-Fragen mag ich ja nicht besonders. Spätestens seit ich in der Ausbildung darauf gestoßen wurde, wie sehr Warum-Fragen jemanden in eine Rechtfertigungs-Haltung bringen können. Aber in diesem Fall mache ich mal eine Ausnahme *grins*.
Meine Lieblingsfarben sind orange und grün. Frühlingsfarben. Vielleicht ist der Grund, dass ich ein Frühlingstyp bin, und daher intuitiv diese Farben mehr mag als andere?
2. Wie kam dein Blog-/Spitzname zustande?
Oh, hier in diesem Blog ist das ganz einfach: GGG steht für Gelebt, Gelernt, Gelesen. Weil das ganz gut zusammenfasst, was ich hier an Themen ursprünglich behandeln wollte, und im Großen und Ganzen tu ich das auch. Die Nachbarn haben jeweils ihre eigene Entstehungsgeschichte.
3. Wann hast du zum letzten Mal richtig gestaunt?
Neulich, während des sechsten Ausbildungsblocks, beim Mittagessen, über mich selbst, kurz nach dem Live-Coaching. Weil mir in dem Moment etwas bewusst wurde.
Ich muss kurz ausholen: Bei den ersten drei, vier Ausbildungsblöcken war mein größter Horror immer der, dass die beiden Ausbilder bei den Übungen zuschauen könnten. Wenn ich dran war, und etwas neu Gelerntes in die Praxis umsetzen sollte, und einer von den beiden schaute zu… uäääääh. Schrecklich. Blackout. Ich habe versucht, das zu vermeiden, so gut es nur ging. Später, so im vierten, fünften Block, hat es mir nichts mehr ausgemacht. Ich habe es zur Kenntnis genommen, den Gedanken dann aber an die Seite gepackt und nicht mehr versucht, der Situation auszuweichen.
Im sechsten Block kam dann das Live-Coaching – so eine Art kleine Prüfung, wo ich eine mir bis dato unbekannte Person vor der Gruppe und den Ausbildern coachen musste. Erst beim Mittagessen, zwei Stunden später, fiel mir auf: Es war nicht nur nicht schlimm, dass die beiden mit drin saßen und zusahen. Nein, viel besser: ich hatte im Vorfeld nicht einen einzigen Gedanken daran verschwendet. Das, was mal ein Problem für mich war, war schlicht nicht mehr existent gewesen.
Jau. Da hab ich gestaunt. Bauklötze!
Zumal mir das mit ein paar anderen Dingen noch ganz ähnlich ging in der Folgezeit. Da will ich mehr von!

